Im wesentlichen nichts Noise – 21.08.2012

Die Hitze hat mich träge gemacht …

 

… deshalb gleich zur Frage, die diesmal keine war …

Sag Dir einfach: Keine Fragen mehr, lebe!

Hm, das klingt ja fast wie „Sorge dich nicht, lebe!“ und ich sage mir, Misstraue jedem SPIEGEL-Bestseller den du nicht selber geschreiben hast (und generell misstraue dem SPIEGEL immer!).

Wiki sagt, am „Am 16. Januar 1938 gab Goodman dann sein berühmtes Jazz-Konzert (siehe The Famous Carnegie Hall Concert 1938) in der New Yorker Carnegie Hall.“ Das schrieb Jazz-Geschichte heißt es. „Eine vermarktungstechnisch optimale Maßnahme war die Änderung der Schreibweise seines Namens von “Carnegey” in Carnegie, obwohl Millionär Andrew Carnegie kein Verwandter war. 1916 konnte Dale Carnegie in der Carnegie Hall vor übervollem Haus auftreten. Carnegies erstes Buch war Public Speaking and Influencing Men In Business: a Practical Course for Business Men (1926).“ (Wikipedia)

Sollen wir so einem Marketingfuzzi glauben, 64 Jahre nach dem Erscheinen des Buches …

Komisch es ist doch seltsam, das „Sonatas and Interludes“ (aus dem selben Jahr) immer noch als „zeitgenössisch“ gilt, anscheinend haben die Entwicklungen des Zwanzigsten Jahrhunderts in den Köpfen unserer Zeitgenossen wenig Spuren hinterlassen. Ausser sexueller Befreiung nichts gewesen?

Der Aufstieg der Massenmedien hat anscheinend (trotz anfänglicher gegenteiliger Entwicklung, in der die Gleichschaltung die Hauptwirkung war) zur „Befreiung“ von einem Kanon geführt, der nun sehnlich herbei gewünscht wird. Es scheint, das es nach 1950 nichts mehr gab, dass wirklich als „allgemeingültiges Kulturgut“ anzusehen wäre. So als ob die Zeit seit Mitte des vorigen Jahrhunderst, mit seinem „alles ist Möglich“ tatsächlich keine bedeutenden Kulturgüter mehr erzeugen konnte. Als fehlte uns „Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge“ oder wie im Film „Der dritte Mann“ in dem Orson Welles Harry Lime sagen lässt: „In den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!“

Oder wie es Alexander Haig um 1981 als US-Aussenminister so treffend (vor allem die Friedensbewegten treffend) formulierte: „Es gibt Wichtigeres, als im Frieden zu leben“.

Also was nun? „Sorge dich nicht, lebe!“ oder „Es gibt Wichtigeres, als im Frieden zu leben“?

Tatsächlich scheint es so zu sein, das die wahren Bedrohungen der Menschheit und vor allem der Kultur, keine Rolle spielen, wichtig ist einzig und allein, dass es uns „gut geht“ egal was es kostet. Für einen vier Sterne General (neben Hotels und Schnaps werden ja nur Soldaten nach ihren Sternen beurteilt) ist eben der Krieg der wahre Frieden (weil Ernährer. vergl. „Mutter Courage“ von Bert Brecht), gleich zeitig verzichten wir aber durch den Ansporn der Fragen auf Leistungen die ohne diesen Ansporn nie entstehen würden …

Was ist dieser Blog ohne Fragen? Und meinen Kampf damit mich der Materie „John Cage – Leben und Werk“ anzunähern.

Tatsächlich empfielt Cage ja, mit den taoistischen Zen-Philosophen und H.D. Thoreau einen anarchistischen Zustand: „Die beste Regierung? Keine Regierung“, andererseits musste er ja bittere Erfahrungen machen z.B. mit „zu chaotischen Zuständen“ wie bei der Aufführung seines Stückes „Atlas Eclipticalis“ mit den New Yorker Philharmonikern unter Leonard Bernstein. Die Orchestermitglieder lachten und plauderten miteinander, spielten Tonleitern und Melodien statt ihrer Stimmen und sangen und pfiffen in die Kontaktmikrophone, manche traten sogar auf den elektronischen Geräten herum. (nach David Revill, „Tosende Stille S 278) … „Aufschlußreich ist, dass Cage sich weigerte, hinsichtlch seiner Ziel Kompromisse zu schließen, und weiter opimistisch hoffte, dasss Musiker lebhaftes Interesse zeigen und geistig offener werden könnten, ja sogar sollten. … Ich glaube, er ewartet, dass alle Leute erleuchtet sind“, kommentierte Earle Brown , „achtundneunzig Buddhas in einem Orchster.“ (ebenda S 280)

Wie bei Thoreau kann man Cages Ideen von der Anarchie nur verstehen, wenn man bedenkt, dass er optimisitsch an das Gute im Menschen glaubte. Das Schamozertum, das laut Axelrod und Anderen, immer in einem sonst kooperativen Umfeld entstehen kann, blendete er offensichtlich aus oder er glaubte daran, dass es überwunden werden konnte.

Wenn ich keine Fragen mehr habe, bin ich hoffentlich im Nirvana (oder Paradies) und nicht in einem Zustand der Hoffnungslosigkeit.
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Frage zum Mittwoch: „Wie kann ich Wegbegleiter für einen Tag über Twitter interessieren ?“

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