Simon Wladarsch – genannt „der Romaner“

Simon Wladarsch, welcher aus einer ungarischen adeligen Familie abstammt, aber wegen Religions-Meinung die Vorältern Ungarn verlassen und nach Schlesien übersiedelt, dieser Simon lernte da in Odrau das Fleischhacker Handwerk; gleich von Jugend auf war er ein folgsamer Knabe; als er dann die Lehrjahre dieses Handwerks überstanden, auch bald in die Fremde reisete, aber auch in Wien als Fleischhackerknecht Unterkommen gefunden; dieser flinke, fleißige, ehrliche und junge Mensch erwarb sich Zutrauen und wurde dann öfters in die Klöster mit Fleisch geschickt, auch dorten hat er das kleine Vieh geschlachtet, was von den geistlichen Gütern zugeführet worden. Der Herr Pater Kuchelmeister aus dem großen Stift bey die Schottner machte ihm dann den Antrag beständig in diesem großen Kloster Schlachtvieh als Kälber, Schafe, Schweine und derley Schlachtvieh zu schlachten, und wenn es nicht hinreichend auf dem Lande einzukaufen; man hat sein ehrliches Betragen dabey kennen gelernt, und sich so ein Zutrauen erworben, daß man ihn mit Gulden Absendung, und auch mit Abholung von Geld und Geldeswerth gebrauchte, mit einem Wort, er hat das ganze Zutrauen vom Herrn Prälaten; da er dann schon ein paar Jahre zu diesen Geschäften sich in diesem reichen Kloster hat brauchen lassen, ließ Herr Prälat diesen treuen Simon zu sich in das Zimmer rufen, und fragte, ob er nicht wolle einen jungen Pilger nach Rom begleiten, man würde ihm mit hinlänglichem Reisegeld versehen, er aber willigte in den Willen des Herrn Prälaten alsogleich ein.

Herr Procurator ließ ihm gleich die Pilgerkleider zurecht machen, welche zu dieser Fußreise nothwendig waren, als alles in Ordnung war, schickte einmahl Herr Prälat an einem frühen Morgen um den Simon, als er in des Prälaten Zimmer eingeführet worden, befand sich allda der Herr Prälat und der junge Pilger. Herr Prälat machte ihm dann eine Anrede, wie er sich auf der Reise benehmen soll, und welche Gebether täglich zu bethen, übermachte ihm dann mehrere Briefe, welche er auf der Reise und auch in Rom abzugeben habe, nebst einem Reisepaß, und einem Reisegeld, und befahl, nachdem sie die erste Messe in der Klosterkirche werden gehört haben, über Triest und Venedig ihre Reise nach Rom anzutreten; Man befolgte die Befehle des Herrn Prälaten pünktlich, und kam glücklich und wohlbehalten auf dem Bestimmungsort an; unter Weges bettelte der junge Pilger, wenn er aber einem anderen Reisenden begegnete, hatte er wiederum das Gesammelte ausgetheilt; es wurden täglich die vorgeschriebenen Gebethen, wie es der Herr Prälat befohlen gebethet, und wenn es möglich auch alltäglich Messe gehöret; aber gesprochen wenig oder gar nichts. Zu Rom ließen sie sich in das große Gebäude, Lateran genannt einführen, wohin sie Briefe hatten; als dieß Schreiben abgegeben war, erschien gleich ein Herr Prälat mit einem deutschen Dollmetscher, übernahm den jungen Pilger, dem Bruder Simon wurde eine Pilgerzelle angewiesen, erhielt gutes Essen und Trinken; hat auch gleich die 40tägige Andacht angefangen, welche derley Wahlfährter zu verrichten pflegen, nach dessen Beendigung erhielt er auch den päbstlichen Seegen, wurde dann unerwartet an einem Morgen zu dem oben benannten Prälaten gerufen, ihm der junge Pilger übergeben, wie in Wien :/: den er durch die ganze Zeit, als sie in Rom waren, nicht zu sehen bekommen hatte :/; und so ging die Reise zurück nach Wien wo man glücklich nach einer Abwesenheit von 12 Monathen im Schotten-Kloster angekommen, der junge Pilger abgenommen, und dem Simon seine alten Geschäfte wiederum übergeben, er wollte über erhaltenes Geld Rechnung legen, welches man sich aber verbethen, mit dem Ausdruck, man sey überzeugt daß Simon ein ehrlicher Mann sey, er solle nur wiedrum seinen Dienst so ehrlich und redlich forttreiben.

Nach einigen Wochen wurde ihm ein Brief gegeben, welchen er in das Kloster-Jungfrauen-Stifft zu die Laurenterinn genannt, dahin tragen, und der hochwürdigen Mutter abgeben sollte. Als er dahin kam sagte die Pfortnerin, er möchte auf die Antwort warten; kam aber bald zurück, öffnete das sogenannte Sprachzimmer, worinnen ein alter Feistlicher gesessen; bald darauf erschienen zwey alte Klosterfrauen, und eine junge Dame in weltlichen Kleidern, welce sagte: Simon kennst du mich? Er sagte: nein! Diese sagte: Ich bin der Bruder Anselm, den du nach Rom begleitet hast, ich danke dir vielmahl für alle Obsorge die du mir erwiesen, sie reichte ihm einen Beutel mit Geld, sagte ihm ein Lebewohl, und ginge mit den zwey Klosterfrauen zur Thüre hinaus, nebst dem alten geistlichen Herrn, und so endigte sich diese sonderbare Geschichte.

Man hat gesagt, daß dieses Frauenzimmer eine sehr große Sünderin gewesen, um ihre Sünden abzubüßen, diese Fußreise nach Rom antreten müssen, und auch die Absolution von Ihro päbstlichen Heiligkeit erwirken, er wurde auch später in Odrau der Romaner genannt.

Herausgezogen aus der Füllnecker Stadt-Chronik des Hr. Felix Jaschke vom Jahre 1757 Vernommen von Alten Männern und des Simon Wladarsch Munde.

Anm.: Die alte Rechtschreibung und der Stil wurden möglichst beibehalten. Kursiv geschriebene Worte sind im Original in leteinischer Schrift.

Simon Wladarsch wurde am 22.10.1727 in Odrau geboren. Am 06.11.1753 heiratete er Theresia, die Witwe des Schuhmachers Franz Wladarsch, die am 30.06.1764 starb. Simon heiratete darauf schon am 22.01.1765 Anna Katharina Herbrich, mit der er 10 Kinder hatte. Als diese am 23.08.1800 verstarb, heiratete er am 25.10.1801 ein drittes Mal Katharina Jaksch. Er besaß in Odrau das Haus Nr. 2 am Stadtplatz und starb dort am 07.01.1806.

Horst Vladar (August 2009)

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