Schwach anfangen und dann stark nachlassen

Ich hab dem Blog erst mal eine Pause gegönnt.

Und gestern war ein Klangwechsel in Halberstadt (siehe auch „Die Zeit„), der nächste ist schon im Juli 2012, leider bin ich momentan nicht so mobil – oder gehört das Luft holen dazu?

Die Orgel in Halberstadt, hat erst mal 3 Jahre lang nur Luft geholt, weil Organ²/ASLSP mit einer langen Pause beginnt und nun sind schon 10 Jahre um.

Pause am beginn, das ist ungewohnt und macht ein schlechtes Gewissen, man hat doch noch gar nichts geleistet. Doch wie kann überhaupt etwas entstehen?

„Ich habe nichts zu sagen und ich sage es und das ist Poesie wie ich sie brauche. Dies Stück ist gegliedert. Wir brauchen nicht diese Stille zu fürchten. – wir könnten sie lieben“ (vergleiche Nichi nichi kore ko nichi)

Aber warum fürchten wir sie dann?

Was ist so fürchterlich an der Zufallsmusik, die sich nicht erinnern lässt?

Ich muss zugeben ich habe schon bei Vexasions Schwierigkeiten mich an die genauen Töne zu erinnern … liegt das am 13er Takt, an meiner mangelnden Musikalität oder am Können von Satie? Doch damit bleibt und ist Satie ein „Künstler“ alter Schule.

Man kann so gar beziffern wir alt … 1550 hat Giorgio Vasari sein „Le Vite“ veröffentlicht und damit (heißt es, z.B. in der SZ) das Künstlergenie geschaffen haben, eine Tat die bis heute nach wirkt.

Denn in unseren Köpfen wimmelt es von Genies! Und ich bin ja nicht frei von der Vorstellung, trotz meinen mangelnden Anlagen,  „dereinst als Genie“ erkannt werden zu wollen.

Cage war ein Genie, war Cage ein Genie?

Jandl von dem auch die Übersetzung der obigen Zitate von Lectures on Nothing stammte, dichtete „John Cage is a sage“ – ein Weise, ja und ein Genie wohl auch, aber eben schon in einem anderen Sinne als dies in der Episode nach Vasari, anders als Bach, Mozart, Beethoven, Wagner, Strauß, Stravinsky, Ravel, Debussy, Boulez …

nicht so anders als Eric Satie und Karl Valentin, liegt das daran, das wir zwar Mozart sagen, aber meist Karl Valentin oder Eric Satie (Cage und Satie gibt es auch ohne Vornamen, aber meist heißt es doch John Cage, vielleicht auch wegen seinem Googel-Konkurenten Nicolas Cage?)

Was könnte stimmiger sein als ein flüchtiges, weil akustisches Denkmal für Cage, mit seiner Aufführungsdauer von 639 Jahren

3 Antworten zu „Schwach anfangen und dann stark nachlassen“

  1. […] seit Giorgio Vasari sein “Le Vite” veröffentlicht ist der Fokus beim beurteilen von Schöpfungsakten bei […]

  2. Das hab ich bei dem Zeitartikel gepostet:

    Klugheit hilft hier nichts

    Zu den Kommentaren, fällt mir auf, wie wenig das Phänomen Cage mit dem Geist zu fassen ist.

    Denn wenn Worte wie „banal“ oder „dekadent“ fallen, dann sind das Vokabeln des Verstandes, Kosten-Nutzenabwägungen, die mich fatal an die Zeit erinnern als die Kirche noch als Schweinestall gedient hat (und zwar egal auf welcher Seite der Mauer). Das ist unsinnliches Leistungsträgertum und damit die natürliche Antithese zu Cage.

    Aber er war bei Leibe nicht der Erste der dem (über)rationalen Abendland Fernöstliches entgegensetzte (das tat schon Wagner via Schopenhauer, wenn auch nicht so merkbar wie Cage).

    Was man vorort erleben kann ist eine schlichte romanische Kirche, der man ansieht was ihr angetan wurde, und die seltene Gelegenheit während eines einzigen Klangs in einer laufenden Aufführung jeden beliebigen Platz in der Kirche einnehmen zu können.

    Man hört, wie stark die Architektur den Klang beeinflusst, d.h jeder Mensch der in einer großen Kirche einem Orgelstück lauscht hört es physikalisch anders als alle anderen Menschen im Raum.

    Außerdem lässt sich ein Sinnbild der Zeit erleben: Die „Jahrestafeln“ der Sponsoren und die schier endlose Reihe von noch nicht vergebenen Plätzen, die jeder für ein Jahr stehen, an dem wir nicht mehr da sein werden. Jedem dem dies alles zu banal ist, kann ja gerne einem Mozart Requiem in einer Barockkirche lauschen (was ich auch gerne tue, alles zu seiner Zeit), nur ob die Zeiten in denen diese Werke entstanden, wirklich weniger Dekadent waren?

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